Lackviskosität optimal einstellen

Das richtige Einstellen der Lackviskosität, das heisst das richtige Verdünnen eines Lackes, damit er optimal verarbeitet werden kann, ist in der Praxis immer wieder ein Thema, das vernachlässigt wird. Nur die optimale Anwendung kann zu zufriedenstellenden Ergebnissen führen. Dazu ist es wichtig zu verstehen, welche Faktoren die Viskosität eines Lackes beeinflussen.

«Es gibt einige Faktoren zu beachten, wenn man die Viskosität des Lackes einstellt. Dazu dient unter anderem das technische Merkblatt. Wenn der Lack zu dick ist, gibt es Abläufe, aber bei einem zu dünnen Lack bringen wir zu wenige Festkörper auf die Oberfläche, und manchmal erscheinen Luftblasen in der Lackschicht.»

Gebi Ochsner von Votteler Lacke

Die präzise Viskosität von Farbe wird mit einem Rotationsviskosimeter Messgerät gemessen, in unserem Artikel werden wir das Thema im Kontext des Lackierraum mit der Verwendung eines simplen Auslaufbechers zu diskutieren.

Lackviskosität optimal einstellen. Wo finden wir Angaben dazu.

Die Lackhersteller bieten für jede Art des Lackes ein technisches Merkblatt an. Auf diesem technischen Merkbatt finden sie Angaben, die für sie als Anwender wichtig sind. Es gibt Lacke, die nicht verdünnbar sind, und in diesem Fall dürfen wir die Viskosität nicht ändern. Das steht auch auf dem technischen Merkblatt. Der erste Punkt gibt Auskunft zum Lackverdünner, der zweite Punkt zur Viskosität. In unserem Beispiel, der Lack sollte 18-20 Sekunden mit DIN 4 bei 20° Celsius Raum und Lacktemperatur fertig gemischt haben.

Wie misst man die Viskosität

Zur Prüfung des Fliessverhaltens gibt es viele Messgeräte, aber das am meisten benutzte Geräte sind das Rotationsviskosimeter und der Auslaufbecher. Obwohl die üblichen, preiswerten Auslaufbecher nur bedingt Auskunft geben über das Fliessverhalten von Lacken, sind diese oft für einen Lackierbetrieb mehr als zufriedenstellend. Besser und aussagekräftiger sind Viskositätsmessungen mit dem Rotationsviskosimeter. Dieser wird aber mehrheitlich von Lackherstellern benutzt, weniger von Lackierern.

Aus der Vielzahl unwesentlich unterschiedlicher Auslaufbecher hat sich der ISO – Becher nach DIN EN ISO 2431 als verbindliches Messgerät bewährt. Er löst deshalb den nur nach Deutscher Norm konzipierten Auslaufbecher (DIN-4-Becher) ab. Dieser sollte in jedem Lackierraum griffbereit für jeden Anwender zur Verfügung stehen. Ohne diesen können sie den Lack nicht wiederholbar einstellen.

Anwendung des Auslaufbechers DIN 4 (nach DIN EN ISO 2431)

Der Auslaufbecher hat ein Volumen von 100ml. Er ist mit dem zu messenden Lack komplett zu Füllen. Sobald wir das Loch unten (4mm) freigeben, stoppen wir die Zeit. Es beginnt jetzt der Auslaufprozess. Sobald der Becher leer ist , stoppen wir die Zeit erneut. Der Wert der sich nun ergibt sollte die auf unserem Merkblatt (siehe Foto oben) angegebenen 18-20 Sekunden aufweisen. Ist das nicht der Fall, verdünnen wir den Lack weiter und wiederholen wir die Messung bis wir mit dem Ergebnis zufrieden sind und mit dem Merkblatt übereinstimmt. Fertig!  

DIN 4 Auslaufbecher

Faktor Nummer 1. Temperatur

Die Umgebungstemperatur, die Lagertemperatur des Lackes und der Standplatz des Lackes sind Faktoren um den Lack richtig und gleichbleibend einzustellen.

Die Umgebungstemperatur also die Temperatur, die in dem Raum vorhanden ist in welchem der Lack angemischt wird. Sie sollte möglichst über den ganzen Tag hinweg die gleiche sein. Wenn das nicht möglich ist, sollten wir nicht zu grosse Mengen an Lack anmischen. Durch die Anpassung an veränderte Umgebungstemperaturen verändert sich auch die Viskosität. Erhöht sich die Temperatur im Laufe des Tages, wird der Lack dünner, nimmt die Temperatur gegenüber der Anmischtemperatur wesentlich ab, wird der Lack dicker.

Bei der Lagertemperatur des Lackes gilt es zu beachten, dass die Gebinde mindestens 24 Stunden in dem Raum gelagert werden, in welchem er dann auch angemischt wird. Der Lack gleicht sich sonst langsam der Temperatur im Anmischraum an und verändert so seine Viskosität.

Bei der Standplatz-Temperatur ist darauf zu achten dass das Gebinde möglichst nicht auf dem Betonboden steht, da die oft viel kältere Temperatur des Betons sich auf den Lack übertragt und so die Lackkonsistenz beeinflusst.

Faktor Nummer 2. Verdünner

Je mehr Verdünner wir zugeben, desto dünnflüssiger wird der Lack. Durch die Zugabe des Verdünners verändert sich aber nicht nur die Viskosität des Lackes, sondern auch das Trocknungsverhalten und das Bild, das die Oberfläche nach der Trocknung ergibt. Darum ist es wichtig, dass man denjenigen Verdünner einsetzt, welcher auf das jeweilige Lacksystem abgestimmt und erprobt ist. Das steht auf dem technischen Merkblatt des Lackes. Mit einem nicht geeigneten Verdünner können Ihnen Oberflächen die eigentlich glänzend sein sollten, matt erscheinen oder wolkig werden.

Viskosität beachten und damit Probleme verhindern

Viskositätsprobleme sind manchmal der Grund für Fehler auf den lackierten Flächen. Wie Sie Ihr Spritzbild richtig einstellen finden Sie hier.  Wenn die Viskosität des Lackes nicht richtig angepasst ist, kann das auf der lackierten Oberfläche sichtbar sein. Darum muss es vor allem vom Technischen Merkblatt richtig abgelesen sein, und dann mit Einhaltung der Vorschriften bezüglich Temperatur und Verdünnung richtig umgesetzt werden. Die alternative Messmethode mit prozentualer Zugabe von Verdünner gibt nur einen ungefähren Wert und ist daher wenig genau und hilfreich. Wenn wir Auslaufbecher richtig benutzen können, sollte die Lackviskosität immer korrekt gemessen und angepasst werden können.

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